
Unser Ausflug nach Berich:
Auf den Spuren der versunkenen Kirche. Nachdem wir das faszinierende Trümmerfeld der alten Kirche im ehemaligen Alt-Berich besichtigt hatten, zog es uns weiter. Das Wissen, dass die Bürger ihr Gotteshaus damals Stein für Stein im neuen Ort eigenhändig wieder aufgebaut haben, beeindruckte uns tief. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg nach Neu-Berich, um das Ergebnis dieses historischen Kraftaktes aus der Nähe zu betrachten.
Angekommen im neuen Ort, konnten wir die Kirche schließlich von außen bestaunen. Die Architektur und die bewegte Geschichte, die in diesen Mauern steckt, sind wirklich sehenswert. Leider wurde unsere Neugierde jedoch etwas gebremst: Ein Blick in das Innere blieb uns verwehrt, da die Kirche bei unserem Besuch verschlossen war. Trotz der verschlossenen Türen war es ein lohnender Ausflug in die regionale Geschichte.
Die Geschichte:
Die Kirche in Alt-Berich wurde abgetragen und in Neu-Berich wieder aufgebaut, weil das ursprüngliche Dorf Alt-Berich dem Bau der Edertalsperre und der anschließenden Flutung des Edersees weichen musste.
Zwischen 1912 und 1914 vollzogen die Dorfbewohner diese bauliche Umsiedlung (Transloziersung) im Zuge der Evakuierung ihres Heimatortes.
Der genaue Ablauf der Versetzung der ehemaligen gotischen Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert:
Der Abbau in Alt-Berich
Sorgfältige Demontage: Die Bewohner bauten die historisch wertvollen Teile der Kirche eigenhändig und behutsam ab.
Nummerierung: Um den Wiederaufbau zu ermöglichen, wurden die Steine um die Fenster und das Portal präzise nummeriert.
Rettung des Inventars: Der spätgotische Marienaltar, die Orgel, der Fußboden, die Fenster sowie die Türen wurden vollständig ausgebaut.
Mühsamer Transport:Das gesamte Material wurde mit Ochsen- und Pferdewagen (Leiterwagen) zu der neuen Siedlungsfläche nach Neu-Berich transportiert.
Sprengung der Reste: Die verbliebenen Bruchsteinwände wurden nach dem Ausschmücken gesprengt und versanken kurz darauf im heutigen Edersee Atlantis.
Der Wiederaufbau in Neu-Berich
Die Evangelische Kirche Neu-Berich wurde originalgetreu rekonstruiert, jedoch aus Platz- oder Kostengründen um zwei Joche (Gewölbeabschnitte) verkürzt erbaut.
Integration der Originalteile: Die geretteten Portale, Fenstersteine und das gesamte Inneninventar wurden nahtlos in das neue Kirchengebäude eingefügt.
Finanzierung: Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau beliefen sich damals auf rund 20.000 Mark.
Heute gilt die Kirche in Neu-Berich als lebendiges Denkmal und als wichtiges Identifikationsmerkmal der umgesiedelten Bevölkerung.
Bei extremem Niedrigwasser im Sommer tauchen die alten Grundmauern von Alt-Berich im Stausee wieder auf und können zu Fuß besichtigt werden.
